1927
Marsh Lane, Leyton
Kohle, Frost, Hunger.
Nero Voss
Manche Menschen helfen ihr ganzes Leben. Bis eines Tages jemand bleibt.
Die Geschichte
London, 1927.
Katrin Schmid ist sechzehn Jahre alt und allein.
Sie sammelt Kohle an den Gleisen, sucht nach Essen und lebt in einem Haus, durch dessen Dach der Winter kommt.
Trotzdem geht sie nicht an Menschen vorbei, die Hilfe brauchen.
Als eines Tages eine alte Frau auf dem Eis stürzt und alle anderen weitergehen, bleibt Katrin stehen.
Diese Begegnung verändert ihr Leben. Doch Geld kann ihr später vieles geben. Nur nicht das, wonach sie ihr ganzes Leben gesucht hat.
Alle gingen weiter. Sie nicht.
Das Buch
Katrin
Ein Roman von Nero Voss
Ein Leben zwischen Mülltonne und Marmortreppe.
Erscheint 2026
Bestellung in VorbereitungDas Buch befindet sich in Herstellung. Sobald es bestellbar ist, stehen die Bezugsquellen an dieser Stelle.
Sie versteckte ihre linke Hand. Erst, weil sie schmutzig war. Später, weil sie vergessen hatte, dass sie längst sauber war.
Ein Haus
Sieben
Stufen
Elf Kilometer westlich von Katrins bisherigem Leben steht ein Haus. Vor seiner Tür liegen sieben weiße Stufen.
Mehr sei hier nicht verraten.
Für wen
Dies ist kein klassischer Liebesroman.
Kein Thriller.
Keine Heldengeschichte.
Es ist die Geschichte eines Menschen,
der sein Leben lang für andere da war.
Leseprobe
Erstes Kapitel
Kohle an den Gleisen
Der Frost hatte den Schotter am Gleisdamm zu einer einzigen Fläche zusammengebacken, und Katrin kroch darauf herum wie ein Tier, das etwas verloren hatte. Sie hatte den Kartoffelsack zwischen die Knie geklemmt. Vor ihr lag ein Brocken Kohle, halb im Eis, und sie schlug mit dem Handballen dagegen, bis er sich löste.
Es war noch dunkel. Der erste Zug nach Stratford war schon durch, der zweite kam gegen halb sieben, und was von den Waggons fiel, fiel meistens in der Kurve hinter der Marsh Lane. Das wusste jeder in der Straße. Deshalb war Katrin um fünf da.
Eine Regel hatte sie. Nur aufheben, was unten liegt. Nie vom Wagen nehmen, nie aus einem fremden Sack, nie aus dem Schuppen. Sie hatte sich die Regel selbst gemacht, und sie hielt sich daran, auch wenn niemand zusah.
Weiter oben am Damm waren zwei Jungen. Sie kannte den kleineren vom Sehen, der andere hatte eine Mütze auf, die ihm über die Ohren rutschte. Die beiden waren schneller als sie, weil sie zu zweit waren und weil sie oben suchten, wo mehr lag.
Katrin rutschte auf einer vereisten Schwelle weg und landete auf der Hüfte. Der Sack kippte um. Zwei Brocken rollten den Damm hinunter.
Oben lachte einer.
Sie sagte nichts. Sie sammelte die zwei Brocken wieder ein und suchte weiter. Ihre Finger waren schwarz bis über die Knöchel, die Nägel schwarz bis unter das Fleisch, und sie rieb sie kurz an der Schürze, als hülfe das. Es half nie.
Der mit der Mütze hielt etwas hoch.
„Kohle.“
„Ist keine Kohle.“
„Doch.“
„Das ist von einem Pferd.“
Sie stritten eine Weile. Dann biss der Kleinere zur Sicherheit hinein.
„Kohle schmeckt besser“, sagte Katrin, ohne aufzusehen.
Schauplätze
1927
Marsh Lane, Leyton
Kohle, Frost, Hunger.
Das Haus
Sieben weiße Stufen
Elf Zimmer. Vierzehn Stühle.
Die Uhr
Zwei Minuten nach
Seit 1918.
1980
Ein Zimmer, Schnee vor dem Fenster
Und schließlich jemand, der bleibt.
Der Autor
Nero Voss ist das Pseudonym eines österreichischen Autors, der die Öffentlichkeit lieber seinen Geschichten überlässt.
Er lebt zurückgezogen in Österreich und veröffentlicht seit vielen Jahren Geschichten unter unterschiedlichen Namen. Öffentliche Auftritte, Interviews und persönliche Einblicke meidet er weitgehend.
Seine Bücher entstehen aus Figuren, Bildern und Geschichten, die lange bleiben — manchmal über Jahrzehnte. Mit Nero Voss beginnt eine neue Reihe davon.
„Die Geschichte soll bekannt sein.
Nicht unbedingt der Mensch dahinter.“
Eine Geschichte über einen Menschen,
der immer geblieben ist.
London, 1927. Ein Mädchen hilft einer fremden Frau vom Eis auf. Mehr braucht es manchmal nicht, damit ein ganzes Leben eine andere Richtung nimmt.
Katrin
von Nero Voss
Erscheint 2026
KatrinNero Voss
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